Blockchain for Education: Lebenslanger Lernausweis

4.6.2018

Die Grundlagentechnologie Blockchain wird für viele Branchen diskutiert. Auch im Bereich der Aus- und Weiterbildung bietet sie Potenzial – mit ihr können digitale Zertifikate registriert, verwaltet und verifiziert werden. Fraunhofer entwickelt aktuell diese Plattform auf Basis der Blockchain-Technologie, um den Weg von Papierkunden zu digitalen Zertifikaten zu ebnen. Lernende erhalten so einen lebenslangen Lernausweis: Ein Archiv all ihrer Zeugnisse und Bescheinigungen, in digitaler und verifizierter Form. Auf der CEBIT in Halle 27, Stand E78, stellt die Fraunhofer Academy gemeinsam mit den Fraunhofer-Instituten Fraunhofer FIT, Fraunhofer AISEC und Fraunhofer IFAM den Prototyp der Zertifizierungsplattform Blockchain for Education vor. Die Plattform bietet Vorteile für Lernende, Zertifizierungsstellen, Unternehmen und Hochschulen (Bildungseinrichtungen). Lernenden ermöglicht sie Zugriff auf ihren lebenslangen Lernausweis: Sie können ihre erworbenen digitalen Zertifikate so sammeln und verwalten. Die Echtheit wird über die Blockchain verifiziert. Die Mappe, in der die einzig gültigen Papierformen abgelegt sind, erhält damit ein zeitgemäßes digitales Gegenstück.

Studenten und Absolventen können so ihre digitalen Diplome, Bachelor-, Master- oder Promotionsurkunden sammeln und bei Bewerbungen oder für Nachweise per E-Mail oder über einen Link Dritten verfügbar machen. Das gilt nicht nur für Arbeitgeber, sondern auch etwaige Kontrollstellen. Diese können dann prüfen, ob die gesendeten digitalen Zertifikate oder Teilnahmebescheinigungen in der Blockchain registriert und somit unverändert (echt) sind. Der Umweg über die Einreichung von Papieroriginalen oder beglaubigten Kopien wird unnötig.

Damit wird nicht nur bei digitalen Bewerbungen sichergestellt, dass es sich um echte Unterlagen handelt. Für Berufsgruppen, die zulassungsbeschränkt sind und Zertifikate nachweisen müssen – Ärzte, Notare oder Apotheker – soll dies so effizient ermöglicht werden. Auch in einer Form, in der sie etwa über ein Widget die Zertifikate auf ihrer eigenen Website ausweisen können. Somit stünden sie sowohl Kontrollstellen als auch Kunden direkt und nachprüfbar zur Verfügung. Bequem, ohne großen Aufwand umsetzbar und vertrauenswürdig. Regelmäßig erforderliche Weiterbildungen oder Nachschulungen lassen sich dem Konzept nach ebenfalls zentral im eigenen digitalen Archiv sammeln und nachweisen. So können Lernende diese nachweisen – auch, wenn es um erreichte Qualifikationsstufen geht. Das Abprüfen von gesammelten Unterlagen wird überflüssig.

 

Vorteile

Unternehmen profitieren ebenfalls: Sie können mit der Blockchain for Education Plattform Bewerbungsunterlagen effizient prüfen, ohne dass sie eigene technische Voraussetzungen schaffen müssen. Das verschafft ihnen Sicherheit und spart Aufwand. Dazu ist es erforderlich, dass die Aussteller solcher Zertifikate (Universitäten, Weiterbildungseinrichtungen, IHK, TÜV etc.) einen digitalen Fingerabdruck von ausgehändigten Urkunden mit Gültigkeitsdauer in der Blockchain registrieren. Die Überwachung von Zertifikaten, z.B. die Gültigkeitsdauer, wird mit Smart Contracts durchgeführt und automatisiert.

Für Lernende ist es dann möglich, mittels dieses Eintrags die Unverfälschtheit einer eingereichten Urkunde nachzuweisen. Zertifikatsaussteller werden in die Lage versetzt, ihren Absolventen eine moderne, bequeme Zusatzoption anzubieten. Und sie können ihre Zertifikate gegen Betrug absichern. Das gilt sowohl für Hochschulen als auch Weiterbildungseinrichtungen oder berufliche Qualifikationsstellen.

 

Blockchain for Education Community

Blockchain for Education ist eine Community-Plattform und offen für Bildungseinrichtungen und Unternehmen. Einrichtungen, die teilnehmen wollen, können ihr Interesse bei den Projektpartnern bekunden. Nach Aufnahme in die Community betreiben sie dann einen Blockchain-Knoten bei ihrer Institution. Erste Partner der Blockchain for Education Community sind die Fraunhofer Personenzertifizierungsstelle und die TÜV Rheinland Akademie GmbH.

 

Iterative Entwicklung mit Partnern

Die Konzeptentwicklung erfolgt iterativ, Beteiligte sollen intensiv eingebunden werden, um konkret nach ihrem Bedarf zu entwickeln. So soll ein System entstehen, das leicht bedienbar, sicher und schlank ist. In den Ausbaustufen ließe sich über die Smart-Contract-Funktionalität der Blockchain auch ohne Verwaltungsaufwand etwa automatisiert bescheinigen, ob ein Teilnehmer die Voraussetzungen für einen Fortgeschrittenenkurs erfüllt. Oder ob er genug Qualifikationen für einen höheren Titel vorweisen kann, zum Beispiel Advanced Expert. Blockchain for Education besitzt Pilotcharakter, da es erstmals eine kostengünstige, effiziente und effektive digitale Verwaltung von Zertifikation möglich macht. Damit sind neben Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen auch Organisationen wie TÜV und Dekra potenzielle Kunden für die Plattform. Hochschulstudenten können Teilnahmebescheinigungen bereits über die Plattform im Prototypstatus archivieren und validieren. Produkt- und Prozesszertifizierungen können in den Ausbaustufen hinzukommen.