Darknet: Neues Seminar bringt Licht ins Dunkel

28.9.2018

Autoren: Dr. Marcel Schäfer und Dr. Sascha Zmudzinski, Projektleiter am Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) in Darmstadt

In den Medien taucht der Begriff Darknet immer häufiger auf: Bereiche, in denen Menschen anonym agieren und kommunizieren – für legale, aber auch illegale Aktivitäten. Das Darknet dient sowohl dem freien Meinungsaustausch, der Pressefreiheit und dem Schutz von Bürgern in repressiven Systemen als auch für illegale Aktivitäten und zur Vorbereitung schwerer Straftaten. Um das Darknet zu entmystifizieren und Licht ins Dunkel zu bringen, haben dasFraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) und die Fraunhofer Academy im Rahmen der Lernlabore Cybersicherheit gemeinsam das neue Seminar „Ermittlungen im Darknet“ konzipiert, um auch Ermittler, Juristen, Fachjournalisten und IT-Fachkräfte an das Thema heranzuführen.

Die eintägige Veranstaltung bietet Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Überblick über die Thematik. Sie erfahren nicht nur, was das Darknet ist, sie lernen auch praktisch, wie sie sich im Darknet bewegen, Hidden Services erstellen und Darknet-Dienste analysieren können. Das hilft dabei, ein besseres Verständnis für das Thema zu entwickeln. Denn das Darknet als solches ist nicht dunkel und bedrohlich: Der Begriff beschreibt schlicht Lösungen, die eine zensurfreie Kommunikation zwischen Client und Anbieter erzeugen, bei der beide Seiten anonym sind.

Der Wunsch nach Anonymität und unbeobachteter Bewegung ist nicht per se negativ. Entsprechend ist auch eine Unterscheidung wichtig zwischen reiner Technik, die zum anonymen Austausch führt, und Straftaten, die Kriminelle im Schutz der Anonymität begehen. Welche Arten es hier gibt und wie sich Kommunikation im Darknet nachvollziehen und bewerten lässt, stellt entscheidendes Wissen für Strafverfolger dar.

 

Grundbegriffe klären

Für ein Verständnis des Themas sind zunächst Begriffe wichtig: Das Deep Web etwa beschreibt schlicht die Seiten, die nicht durch normale Suchmaschinen indiziert werden. Dazu zählen auch Firmennetzwerke oder Home Server. Das hat noch nichts mit anonymer Kommunikation zu tun. Das Dark Web dagegen stellt den webbasierten Teil des Darknet dar.

Im Seminar lernen die Teilnehmer, wie sie sich im Dark Web bewegen können, woraus es besteht und wie seine Kommunikation funktioniert. So erfahren sie zum Beispiel, was der Tor-Browser ist, wie sie ihn finden, sicher installieren und verwenden können.

Der Tor-Browser erlaubt – als Modifikation des Browsers Firefox – zunächst das ganz normale Surfen im Web. Zwei Dinge machen ihn besonders: Erstens, die Surfvorgänge durchlaufen Anonymisierungsstufen, was ihn langsamer macht. Zweitens, mit ihm lassen sich auch sogenannte Onion Links des Tor-Netzwerks aufrufen. Onion deshalb, weil das Tor-Netzwerk seine Anonymisierungsprozesse mit den verschiedenen Schichten einer Zwiebel vergleicht – deshalb findet sich diese auch im Logo. Diese „versteckten“ Seiten (Hidden Services) stellen Seiten im Dark Web dar, die über das normale Web nicht direkt zugänglich sind. Links und Informationen zu ihnen finden sich in einigen Fällen aber auch dort.

 

Kommunikation lernen

Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfahren im Praxisteil zudem, wie sie derartige Seiten finden können – und wie sie diese selbst anlegen. Hinzu kommt eine Einführung in die Welt der Sozialen Netzwerke im Darknet. Diese werden auch kommunikationspsychologisch beleuchtet, um zu erklären, worin sie sich von anderen Sozialen Netzwerken unterscheiden, warum es sie gibt und wie man in ihnen nicht nur Informationen findet, sondern sich auch selbst darin bewegt. Dabei geht es nicht einfach um den technischen Zugang: Auch das Darknet hat seinen eigenen Slang, seinen eigenen Umgangston, den man kennen sollte, um nicht sofort aufzufallen oder auf Seiten zu gelangen, deren Inhalt man lieber nicht gesehen hätte.

 

Wissen aufbauen

Ein weiterer Inhaltsblock, der schon für sich allein ein Trendthema darstellt, wird ebenfalls behandelt: Blockchain und Kryptowährungen. Denn zum anonymen Austausch gehören auch anonyme Bezahlmethoden. Hier zeigt sich erneut die agnostische Natur von Technologie: Kryptowährung wird zwar auch zur Geldwäsche eingesetzt. Wie sogenannte Mixer hier vorgehen, welche Fälle es gibt und worauf Ermittler achten sollten, wird im Seminar vermittelt. Genauso kommt Kryptowährung aber bei völlig legalen Transaktionen zum Einsatz: Auch manche Essenslieferdienste akzeptieren inzwischen Bitcoin als Zahlungsmittel.

Sicherheitskonferenzen wie die ARES 2018 in Hamburg verdeutlichen, dass Ermittler und Strafverfolgungsbehörden zunehmend mit Darknet-Themen konfrontiert werden und deshalb hier Wissen aufbauen sollten. Für sie wie auch für Medienvertreter ist es wichtig, ein Grundverständnis und einen Überblick über aktuelle Trends zu erlangen. Dazu dient das Seminar.

Die Seminar-Inhalte werden direkt aus der aktuellen Forschung gespeist – und kaum eine Institution erforscht das Thema so eingehend wie das Fraunhofer SIT, etwa im Rahmen des Verbund-Projekts PANDA mit dem Partner TU Darmstadt. Dieses Projekt untersucht holistisch die Strukturen, Aktivitäten und das Nutzerverhalten im Darknet. Es wird vom BMBF gemäß der Richtlinie „Zivile Sicherheit – Nachwuchsförderung durch interdisziplinären Kompetenzaufbau“ gefördert.

 

Weitere Informationen:

Lernlabor Cybersicherheit: Seminar „Ermittlungen im Darknet“: https://www.academy.fraunhofer.de/darknet

 

PANDA-Projekt: https://panda-projekt.de