Ein Interview mit Dr. Roman Götter zum BDA-Digitalrat: Wie kann man die Digitalisierung in Deutschland vorantreiben?

14.6.2019

Im April diesen Jahres wurde der BDA-Digitalrat von 20 digitalen Vordenkern aus Konzernen und KMUs, der Tech-Branche sowie der Forschung gegründet. Dr. Roman Götter, Leiter der Fraunhofer Academy, war einer der Mitbegründer dieses Zusammenschlusses. Im Interview erzählt er von seinen Erwartungen an den Digitalrat.

Sie sind Gründungsmitglied des BDA-Digitalrates. Warum haben Sie sich entschieden diese Vereinigung zu gründen?

Roman Götter: Durch die voranschreitende Digitalisierung wird nahezu jedes Unternehmen in Deutschland mit immensen strategischen Herausforderungen konfrontiert. Wir als Digitalisierungsexpert*innen möchten unsere individuellen Kompetenzen bündeln, um Impulse in die öffentliche Debatte zu geben, praktische Handlungsempfehlungen für Unternehmen zu erarbeiten und klare Forderungen an die Politik zu stellen.

 

Warum engagiert sich Fraunhofer bzw. die Fraunhofer Academy in so einem Zusammenschluss?

G: Fraunhofer ist einer der wichtigsten Innovatoren für Digitalisierung. Beginnend mit MP3 und unsere Video-Kodierungsstandards bis hin zu Industrie 4.0 liefern wir zentrale Bausteine zur Digitalisierung der Welt. Deshalb ist es geradezu unser Pflicht, der deutschen Industrie zu helfen, Digitalisierung besonders erfolgreich umzusetzen. Die Fraunhofer Academy trägt zu diesem Ziel bei, indem sie gezielt Weiterbildungen in Unternehmen anbietet, bei denen die Mitarbeitenden aktuelles Expertenwissen praxisnah erlernen können.

 

Sie haben vorhin erwähnt, dass Sie auch Forderungen an die Politik stellen möchten. Haben Sie schon konkrete Vorstellungen?

G: Es wird sicherlich eine zentrale Aufgabe des BDA-Digitalrates sein, hier die Bedarfe der Industrie zu Handlungsempfehlungen zu bündeln. Meine persönliche Grundhaltung ist, dass Deutschland hier wieder Vorreiter zum Beispiel bei 5G in der Industriellen Nutzung werden sollte und die Politik hier schnellst möglich die nötigen Rahmenbedingungen schaffen muss. Hier sehe ich dann eben auch das Thema des lebenslangen Lernens als Schlüssel und Treiber. Die Politik sollte Unternehmen hier viel mehr unterstützen.

 

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für Unternehmen im Zuge der Digitalisierung?

G: Durch den technischen Fortschritt beschleunigt sich die Veränderung unserer Lebenswelt um ein Vielfaches. Das bedeutet diese Geschwindigkeit – sich auf neue digitale Geschäftsmodelle und Chancen einzustellen – sehe ich vor allem bei traditionellen Unternehmen als größte Herausforderung. Um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben ist die Offenheit für eine digitale Transformation elementar. Für Mitarbeitende sind Agilität und Lebenslanges Lernen essentiell. Um mittel- und langfristig zu gewährleisten, dass das Personal weiterhin gut ausgebildet ist, bieten sich vom Unternehmen geförderte Weiterbildungen an.

 

Weiterbildungen waren auch das Thema Ihrer ersten Sitzung im Digitalrat. Was haben Sie konkret besprochen?

G: In der externen Fraunhofer Academy Studie »Digitale Kompetenzen – Anspruch und Wirklichkeit«, bei der über 150 Unternehmen untersucht wurden, haben wir herausgefunden, dass etwa 70% der digitalen Fachkompetenzen als sehr oder weitgehend relevant eingeschätzt werden. Allerdings sind diese Kompetenzen bei mehr als 33% der Unternehmen nur mittelmäßig vorhanden. Diese Diskrepanz möchten wir gezielt abbauen durch berufsorientierte Weiterbildungen.

 

Dabei möchten Sie auf zeit- und ortsunabhängige Lernmethoden zurückgreifen.

G: Genau. Die Fraunhofer Academy legt großen Wert auf moderne Lernmethoden wie z.B. Blended Learning Konzepte. Unser Impuls ist dabei auch die Zertifikate digital zu gestalten. Dies hofft die Academy durch und mit dem BDA-Digitalrat zu erreichen. Wir freuen uns sehr Teil dieses Zusammenschlusses zu sein und blicken positiv in die Zukunft.

Wer mehr über digitale Zertifikate erfahren möchte, der sollte sich das Fraunhofer Academy Projekt Blockchain for Education ansehen. Wenn Sie Interesse daran haben, zögern Sie nicht, mich persönlich zu kontaktieren.