von Barbara Wutz, Mitarbeiterin des Social Media Teams der Fraunhofer Academy

Ein Interview mit Clara Tu und Kathleen Delang: Wie Mensch und Roboter heute zusammenarbeiten

17.12.2018

Mensch und Maschine kollaborieren und teilen sich einen gemeinsamen Arbeitsraum – dieses Szenario ist ein Trendthema und hat viele Vorteile. Doch wie wird dieses Zusammenspiel sicher und effizient geplant? Das Social Media Team der Fraunhofer Academy hat die Möglichkeit bekommen Clara Tu von der Fraunhofer Academy und Kathleen Delang vom Fraunhofer IWU zu interviewen, die beide für das Projekt Mensch-Roboter-Kollaboration der Fraunhofer IWU verantwortlich sind.

I: Frau Tu, können Sie kurz beschreiben worum es in dem Seminar Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) geht?

T: In dem Seminar, das dieses Jahr zum ersten Mal stattgefunden hat, geht es vor allem um die Förderung der sicheren und effizienten Zusammenarbeit von Mensch und Roboter. Unser neues Partner-Fraunhofer-Institut, das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU, ist hier unser wissenschaftlicher Partner für das Seminar.

 

I: Was macht das IWU genau?

T: Das IWU ist Motor für Neuerungen im Umfeld der produktionstechnischen Forschung und Entwicklung. Im Fokus haben die Wissenschaftler Bauteile, Verfahren, Prozesse und die dazugehörigen komplexen Maschinensysteme – die ganze Fabrik also. Als Leitinstitut für ressourceneffiziente Produktion steht die Entwicklung von Effizienztechnologien und intelligenten Produktionsanlagen zur Herstellung von Karosserie- und Antriebsstrang-Komponenten im Zentrum.

 

I: Sie haben vorhin erwähnt, dass es in dem Seminar um die Förderung der sicheren und effizienten Zusammenarbeit von Mensch und Roboter geht. Was genau heißt das?

T: Wir zeigen den Führungs- und Fachkräften aus der Produktionstechnik, ob und wie in ihren Unternehmen eine Mensch-Roboter-Kooperation denkbar wäre und welche noch versteckten Potentiale sich dadurch ergeben.


I: Wie genau machen Sie das?

T: In unserem zweitägigen Seminar vermitteln die Expertinnen und Experten vom Fraunhofer IWU in Chemnitz interdisziplinär ihr Wissen in drei Themenblöcken. In einer theoretischen Einführung lernen die Teilnehmenden die Grundlagen von MRK kennen, machen sich mit den Anwendungsformen vertraut und erfahren, wann sich der Einsatz kollaborierender Robotersysteme wirklich lohnt. Zudem wird das wichtige Thema Sicherheitstechnik und der zu beachtenden Normung thematisiert. Danach gibt es eine interaktive Vorführung.

 

I: Das heißt, die Teilnehmenden können die Grundlagen an konkreten Beispielen anwenden?

T: Genau. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können an mehreren Robotern vom Leichtbau- bis in den Schwerlastbereich praktische Übungen rund um das Thema MRK absolvieren. Besonders die Maßnahmen zur Risikominimierung und ihre rechtssichere Dokumentation werden interaktiv angewandt.

 

I: Es ist sicherlich schwer, das Erlernte auf sein eigenes Unternehmen zu übertragen.

T: Richtig. Deshalb erarbeiten wir im dritten Themenblock unseres Seminars gemeinsam eine Anlagenplanung für die Anwendung von Mensch-Roboter-Kollaboration. Denn um im Anlagenplanungsprozess die ideale Lösung umzusetzen, ist viel Hintergrundwissen erforderlich. Ausgehend von manuellen oder vollautomatisierten Prozessen ergibt sich durch die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter eine hohe Systemkomplexität. Um dabei nicht den Überblick zu verlieren, werden schrittweise notwendige Planungsstufen angewandt und gemeinsam der MRK-Prozess erarbeitet.

 

I: Frau Delang, Sie als Themenexpertin des Fraunhofer IWU haben sich umfassend mit der Mensch-Roboter-Kollaboration auseinandergesetzt. Was, denken Sie, sind die Möglichkeiten der MRK?

D: Durch Zusammenarbeit von Mensch und Roboter können die Vorteile von manuellen und automatisierten Arbeitsplätzen kombiniert werden. Der Mensch wird einerseits von körperlich schweren Arbeiten entlastet, indem er die Kraft und Ausdauer des Roboters nutzt. Andererseits lassen sich starre Automatisierungslösungen flexibler gestalten, wenn der Mensch aktiv eingebunden wird.

 

I: Und was sind die Grenzen?

D: Im Moment besteht bei den Anwendern und Integratoren von MRK-Systemen eine große Verunsicherung. Grund sind die erforderliche Sicherheitstechnik und die Normen im Betrieb. In unserem Seminar bekommen die Teilnehmer praktische Einblicke in die aktuellen Möglichkeiten und Grenzen der Sicherheitstechnik. Zudem lernen sie am Beispiel bereits umgesetzter MRK-Lösungen die erforderliche technische Dokumentation zu gestalten.

 

Waren Sie zufrieden mit den Ergebnissen/Geschehnissen aus dem diesjährigen Seminar?

D: Für unser erstes MRK-Seminar im November haben wir von unseren Teilnehmern sehr positives Feedback bekommen. Den Teilnehmern hat besonders gut gefallen, dass wir den theoretischen Hintergrund in der direkten Arbeit mit den Robotern praktisch vermittelt haben. Wir wollen das Seminar jetzt regelmäßig anbieten. Wir freuen uns auf die nächsten Seminare am 12. und 13. März 2019 sowie am 2. und 3. Juli. Da wir wissen, dass das Thema MRK derzeit die ganze Arbeitswelt beschäftigt, wollen wir das natürlich möglichst vielen vermitteln, Daher kommen sie vorbei zu unserem nächsten Seminar oder sprechen mich direkt an. Wir freuen uns auf den Austausch!

 

I: Vielen Dank für das Interview.

 

Hier gibt es mehr Informationen zum Seminar.

Falls Sie sich für die Teilnahme an einem MRK-Seminar interessieren, wenden Sie sich bitte an Dan Gläser: dan.glaeser@iwu.fraunhofer.de