Von der Forschung zur Anwendung: Prof. Dr. Klaus Fichter zum neuen Zertifikatsprogramm "DAS Forschungs- und Transfermanagement"

21.2.2018

Wie gestalte ich meine Forschungsstrategie? Wie erhalte ich Fördergelder und gewinne Partner für Projekte? Und wie gründe ich als Forscher ein Unternehmen? WissenschaftlerInnen und ForschungsmanagerInnen praxisnah an diese Fragestellungen heranführen und mögliche Lösungsstrategien vermitteln: Das ist Ziel des berufsbegleitenden Zertifikatsprogramms „Forschungs- und Transfermanagement“, das das C3L – Center für lebenslanges Lernen der Universität Oldenburg und die Fraunhofer Academy, die Weiterbildungseinrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft, gemeinsam entwickelt haben. Der wissenschaftliche Leiter Prof. Dr. Klaus Fichter spricht hier über die Zielsetzung, Relevanz, Inhalte und Zielgruppe des neuen Programms.

Prof. Dr. Klaus Fichter

Warum sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich mit Forschungs- und Transfermanagement auskennen?

Fichter: Der Trend geht klar zu großen Forschungsvorhaben und -verbünden, an denen oftmals 10 bis 15 Projektpartner aus mehreren Ländern beteiligt sind. Schon um einen erfolgversprechenden Antrag für so ein Großprojekt zu stellen, müssen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Beispiel darlegen, wie sie ihre Ergebnisse ökonomisch oder gesellschaftlich sinnvoll verwerten wollen. Dazu benötigen sie Kompetenzen, die in den meisten Studiengängen nicht vermittelt werden.

Aber um das zu lernen, muss ich kein ganzes Zertifikatsprogramm durchlaufen …

Fichter: Das ist auch nur der Anfang. Solche Großprojekte müssen gemanagt werden. Treffen der Beteiligten müssen organisiert werden. Die Teilprojekte müssen zeitlich und inhaltlich aufeinander abgestimmt werden und so weiter. Liegen Forschungsergebnisse vor, muss über ihre Verwertung entschieden werden. Sollen Lizenzen für die Vermarktung vergeben werden oder gründet das Forschungsteam selbst ein Unternehmen? Das dafür benötigte Wissen wird in dem Programm vermittelt.

Sind nur Wissenschaftler angesprochen?

Fichter: Keineswegs. Alle bereits angesprochenen Punkte können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler allein gar nicht bewältigen. Sie brauchen die Unterstützung von Wissenschaftsmanagern beim Beantragen und Durchführen großer Projekte. In großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen, in denen dutzende von Projekten parallel laufen, werden Forschungsverantwortliche gebraucht, die etwa darauf achten, dass die Einzelprojekte einer klaren Linie folgen und sich das Institut mit seinen Stärken von Mitbewerbern abgrenzt. Zudem werden Leute benötigt, die sich um Lizenzen und deren Vermarktung kümmern. Das gilt auch für die Wirtschaft, da Innovationen heute immer seltener von der Erfindung bis zum marktreifen Produkt in einem Unternehmen abgewickelt werden. Nicht zu vergessen Netzwerkmanagerinnen und -manager, etwa aus den Energie- oder IT-Clustern.

Was zeichnet das Zertifikatsprogramm aus?

Fichter: Bundesweit einmalig dürfte die Zusammenarbeit zweier Partner mit ausgewiesener Expertise in angewandter Forschung und in wissenschaftlicher Weiterbildung sein, wie die Fraunhofer Gesellschaft und das Center für lebenslanges Lernen (C3L) der Universität Oldenburg sie bieten. Zudem setzen wir noch stärker als bisher auf Webinare, um die Online-Phasen noch anschaulicher zu machen. Hier müssen sich auch die Lehrenden weiterbilden. Denn ein Webinar muss anders aufgebaut sein, als eine Präsenzveranstaltung. Ich habe beispielsweise kürzlich eine entsprechende Fortbildung absolviert.  

Wie stark ist der Praxisbezug ausgeprägt?

Fichter: Die Teilnehmenden können ganz konkrete Fragestellungen aus ihrem Berufsalltag einbringen. Sie können zum Beispiel in einem Projekt einen Antrag auf Forschungsgelder oder einen Plan für eine Unternehmensgründung erstellen. Ihre Ergebnisse präsentieren sie anschließend und erhalten in der folgenden Diskussion weitere Anregungen und Verbesserungsvorschläge von Mitstudierenden und Lehrenden.

Die Weiterbildung "DAS Forschungs- und Transfermanagement" umfasst fünf Module und schließt mit dem universitären Zertifikat „Diploma of Advanced Studies“ (DAS) ab. Die modulare Struktur mit Online-Phasen und wenigen Präsenzterminen in München und Berlin ermöglicht den Teilnehmern, das Studium mit Beruf und Privatleben zu vereinbaren. Das Programm startet im März 2018 und endet im Mai 2019.
Interessierte können sich ab sofort informieren und anmelden auf der Webseite der Fraunhofer Academy oder der Webseite des C3L - Center für Lebenslanges Lernen der Universität Oldenburg.