Autorin: Jutta Haubenreich

Von Selbstoptimierern und Lebensvermessern

14.10.2016

Wie weit bin ich heute gelaufen, wie gesund habe ich gegessen, wie gut habe ich geschlafen? All diese Fragen lassen sich mittlerweile mit Hilfe von Apps beantworten.

Diese dokumentieren nicht nur unsere täglichen Gewohnheiten, sondern halten uns auch dazu an, uns ständig zu verbessern.

Doch ist die digitale Selbstoptimierung wirklich noch gesund?

Drei Trends der Selbstoptimierung

Über unsere Smartphones lassen wir mittlerweile unsere Schritte pro Tag tracken, unsere Gesamtstrecke in der Woche, im Monat oder im Jahr in Höhenmetern beziehungsweise Treppenstufen ausgeben. Idealerweise wird die heute erreichte Joggingstrecke inklusive Bestzeit anschließend auf Facebook geteilt – frei nach dem Motto »It's not a workout if you don't post it«. In Sachen Fitness geht der Trend zum privaten Workout zuhause mittels Sport-App und Online-Fitnessstudio, die verbrannten Kalorien werden direkt in die persönlichen Statistiken mit aufgenommen.

 

Neben dem bereits zum Standard gehörenden Sport- und Wegstreckenmessen haben sich in den letzten Monaten auch verstärkt Gesundheits-Apps etabliert, die bessere Ernährung und tieferen Schlaf versprechen. So misst beispielsweise eine Smartwatch während der Nacht den Puls, um uns dann am nächsten Morgen bei für das Aufwachen optimaler Pulsfrequenz sanft aufzuwecken.

 

Ein dritter Trend der Selbstoptimierung umfasst die Organisation und Verbesserung des eigenen Alltags: Wie schaffe ich es, in weniger Zeit mehr zu erledigen? Oder aber wie kann ich im Alltag Ruhepausen finden – idealerweise optimiert mit Hilfe einer App? Es gibt mittlerweile Apps für den digitalen Detox, also für die Pause vom Smartphone und dem »Nur-mal-eben-zwischendurch-Surfen«.

 

Das »Digitale Ich« oder »Quantified Self« führt dazu, dass viele Lebensbereiche im Privaten und im Alltag plötzlich zu Arbeit werden, schlicht und ergreifend, indem sie messbar und somit bewertbar werden. Das ist insbesondere bei den Dingen schade, die wir bisher als Freizeit und Spaß empfunden haben wie Essen gehen, beim Laufen den Kopf frei kriegen oder einfach beim Schlafen. Bei anderen Dingen wie Organisation und Lernen beispielsweise kann das Sammeln von Daten über das eigene Verhalten jedoch sehr hilfreich sein.

 

Lernen vermessen

In der Weiterbildung sind Apps, die den eigenen Lernfortschritt monitoren, mittlerweile Gang und Gäbe. Als Online-Assessment geben sie Aufschluss über den eigenen Wissensstand und ermöglichen den Start ins Lernen zugeschnitten auf die jeweiligen Fähigkeiten. Das erspart viel Zeit und Mühe, sich mit Dingen beschäftigen zu müssen, die man längst weiß beziehungsweise selbstständig Stoff nachholen zu müssen.

 

Als Lernbegleiter stellen Lernmanagementsysteme und Apps wie die iAcademy von Fraunhofer fest, welchen Fortschritt man schon gemacht hat und welche Inhalte man sich vielleicht noch einmal genauer anschauen sollte. Die mobilen Lernhelfer ermöglichen es außerdem, bequem von unterwegs zu lernen und beispielweise Wartezeiten an der Bushaltestelle oder Dienstreisen im Zug dafür zu nutzen, sein Französisch aufzupolieren.

 

Einen Einblick in die Welt der digitalen Lernbegleiter gibt es übrigens auf der Open Conference #DIGITAL IST BESSER der Fraunhofer Academy am 10. November in Berlin. Zur Anmeldung #DIGITAL IST BESSER